Biwaksack: Vorteile & Nachteile des Bivis

Biwak, dieses Wort steht wie kein zweites für das Nächtigen unter freiem Himmel. Schließlich heißt biwakieren nichts anderes als eben im Freien zu übernachten. Mitten in der Natur, direkt unter dem Sternenhimmel. Leider funkelt dieser nicht immer. Manchmal ist es frischer, windiger, nasser. Was machst du in diesem Fall als Trekkingtourer? Richtig, du machst es dir in deinem Wanderzelt gemütlich. Doch vielleicht ist ein Zelt keine Alternative für dich? Dafür der Biwaksack, kurz und knackig auch einfach Bivi genannt?

Abwegig wäre das nicht. Der Bivi ist kleiner und leichter, extrem kompakt, dafür im „Notfall“ oder eben für ein Biwak eine tolle Option. Für Bergsteiger und Kletterer ist der Biwaksack daher seit Jahrzehnten ein Garant zum Überleben, bei Trekkingtourern ist er ebenfalls längst Trend. Doch was macht den Biwaksack aus? Wo liegen seine Vorteile, wo seine Nachteile? Und ist er tatsächlich ein Ersatz für ein echtes Trekkingzelt? Eben das soll dieser Artikel klären…

Erklärt: Was ist ein Biwaksack?

Also? Was ist dieser Biwaksack nun genau? Die Antwort ist eigentlich recht einfach: Im Grunde ist der Biwaksack nicht viel mehr als ein Überzug für deinen Schlafsack. Also schlicht ein zusätzlicher Schutz. Allerdings wind- und vor allem wasserdicht. Oder zumindest wasserabweisend.

Der Biwaksack schützt dich also vor Nässe, Wind und Kälte sowie obendrein deinen Schlafsack vor Schmutz. Dennoch: Der Bivi ist nicht mehr als eine Hülle. Du hast weder ein Dach über dem Kopf noch schützende Zeltwände um dich herum noch sonst irgendwas. Dafür 100 Prozent frische Luft und (bei gutem Wetter) beste Sternensicht. Du meinst, das ist dann doch etwas wenig? Nicht unbedingt, denn echte Outdoor-Freaks und Bushcrafter schwören immer mehr auf den Bivi. Quasi Natur pur, ohne großen Komfort und herrlich wenig Ballast.

Erfunden hat den Biwaksack übrigens Mathias Zdarsky (1856 bis 1940), weswegen der Bivi anfangs noch Zdarsky-Sack hieß. Der Tscheche war jedenfalls ein Skipionier und gilt als einer der Väter des alpinen Skilaufens. Seine selbst entwickelte Technik beschrieb er in dem Buch „Die Lilienfelder Skilauf-Technik“, das seit 1897 in 17 Auflagen in den Handel kam. Schon 1890 hatte er zudem die spezielle Lilienfelder Stahlsohlenbindung entwickelt, mit welcher er die Ski lenkbarer machte. Im Ersten Weltkrieg arbeitete Zdarsky als Lawinenexperte und lehrte Gebirgstruppen das Skifahren. Im Februar 1916 brach ihm eine Nachlawine mehrere Knochen. Doch der Tscheche war keiner der aufgab und trainierte mit unbändigem Willen, bis er seine Beweglichkeit zurückgewonnen hatte. Selbst mit 80 Jahren stand der Tscheche noch auf seinen geliebten Brettern.

Pro: Die Vorteile des Biwaksacks

Zurück zum Bivi, dessen Vorteile eigentlich schon genannt sind. Nämlich…

  1. ultraleichtes Gewicht
    Zum einen ist eine solche Hülle ultraleicht. Manche Biwaksäcke wiegen zwar bis zu 700 g und damit kaum weniger als ein Ultraleichtzelt. Andere bringen es aber nur auf 150 g oder noch weniger.
  2. tolle Rundumsicht
    Außerdem bieten Biwaksäcke pures Open Air-Feeling. Freier Himmel, kein Dach, keine blickstörenden Textilien. Dafür 100 Prozent Rundumsicht.
  3. kleines Packmaß
    Logisch, dass auch das Packmaß das Biwaksacks sehr kompakt ist, ultrakompakt. Selbst ein „Double Biwaksack“ für zwei Personen kommt mitunter auf gerade mal 12 x 6 cm. Im Vergleich zu vielen Wanderzelten ist das nichts.
  4. Wärmerückhalt
    Dennoch ist der zusätzliche Schutz durch das Bivi deutlich spürbar, insbesondere in punkto Wärme(rückhalt) und Wind.
  5. Platzbedarf
    Bei der Wahl deiner Übernachtungsplätze hast du ebenfalls eine große Auswahl. Weil du einfach sehr wenig Platz brauchst, eine Liegefläche reicht. Dass besonders Bergsteiger und Kletterer auf diesen „Zelttyp“ setzen, ist also kein Wunder.
  6. Wild-Camping
    Wegen dem geringen Platzbedarf ist das Bivi zudem eine tolle Idee zum Wildcampen. Ein Zelt, gar noch in knallig roter Farbe, ist deutlich schneller zu sehen.
  7. „kein“ Zeltverbot
    Zumal das Nächtigen in einem Bivi (= Biwakieren) oft gar nicht als (Wild)Camping gilt. In der sächsischen Schweiz ist zum Beispiel das sogenannte Boofen (Nächtigen unter freiem Himmel) an ausgewiesenen Stellen (den Boofen) sogar im Nationalpark erlaubt.
  8. Auf- & Abbau
    Auch der Auf- bzw. Abbau ist einfach. Bivi auspacken, ausrollen, Schlafsack rein, fertig.
  9. in Gebäuden
    Entsprechend ist das Bivi auch in Gebäuden (Ruinen) gut zu gebrauchen.
  10. wenige Pflege
    Davon ab verlangt ein Biwaksack wenig Pflege. Im Vergleich zu einem Trekkingzelt hast du deutlich weniger Arbeit und Aufwand.
  11. günstiger Preis
    Außerdem ist der Preis wirklich günstig. Preiswerte Modelle bekommst du schon für 20, 30 Euro.

Kontra: Die Nachteile des Biwaksacks

Selbstredend bringen Biwaksäcke auch Nachteile mit, die vor allem mit der einfachen „Konstruktion“ zusammenhängen.

  1. wenig Komfort
    Der erste Punkt ist der Komfort. Zwar kannst du bei guten Tagen bzw. Nächten einen tollen Sternenhimmel genießen, bei Regen oder Sturm bietet der Bivi aber keinen besonderen Komfort. Gut, du könntest als Regenschutz noch ein Tarp spannen. Aber dann ist auch schon ein echtes Zelt eine Option.
  2. wenig Platz
    Der mangelnde Komfort ist natürlich mit dem mageren Platz erklärt. Wie gesagt: Der Biwaksack ist lediglich eine Hülle für deinen Schlafsack. Möglich, dass du dich wegen der Enge regelrecht „eingesperrt“ fühlst.
  3. kein Sitzen
    Selbst Sitzen ist im Bivi in der Regel nicht möglich. Ausnahmen gibt es aber durchaus, etwa das Hilleberg Bivanorak. Das kannst du sogar als Regenschutz beim Wandern nutzen, kostet allerdings gut 240 Euro.
  4. kein Schutz
    Generell bist du gewissen Gefahren relativ schutzlos ausgeliefert. Im Sommer können zum Beispiel Mücken ein Problem sein. Es gibt jedoch durchaus Biwaksäcke mit Mückenschutz. Ist dir dieser Punkt wichtig, solltest du auf diesen Punkt achten. Im Wald drohen wieder herabfallende Zapfen, Eicheln, Zweiglein oder sogar Äste. Hier sind Zelte ein deutlich besserer Schutz.
  5. kein Sichtschutz
    Davon ab hast du keinen Sichtschutz wie in einem Zelt. Du liegst sprichwörtlich auf dem Präsentierteller, Privatsphäre gleich null. Allein okay, in einer Gruppe aber nicht jedermanns Sache.
  6. kein Gepäckschutz
    Apropos Schutz: Auch für dein Gepäck bzw. deine Ausrüstung gibt es keinen Schutz. Bei Wind oder gar Regen ein Problem.
  7. Kondenswasser
    Wie in einem echten Zelt ist zudem Kondenswasser ein Problem. Zu diesem Thema aber weiter unten mehr…
  8. Preis
    Entsprechend kann es lohnen, wenn du ein paar Euro mehr ausgibst. Allerdings kosten so manche Biwaksäcke bis zu 300 Euro. Für das Geld gibt es schon recht gute Wanderzelte.

Ratgeber: Kondenswasser im Biwaksack

Wie gesagt, auch in Biwaksäcken kommt es zu Kondenswasser. Allein dein Körper verliert über Nacht bis zu einem halben Liter durch Schweiß und Atemluft. Komplett vermeiden kannst du Kondenswasser daher nicht. Zumal es auf die Ausführung deines Bivis ankommt. Zur Option stehen bei Biwaksäcken übrigens zwei…

  1. Polyurethan
    ist leicht, billig und wasserdicht – aber leider nicht atmungsaktiv. Entsprechend ist Kondenswasser vorprogrammiert, ein feuchter Biwak- und Schlafsack sind dir gewiss. Mit einer PU-Beschichtung kann du einen solchen Bivi zwar atmungsaktiver machen, aber nicht zu 100 Prozent.
  2. Membran oder Laminat
    ist atmungsaktiv und daher wasser- oder vielmehr dampfdurchlässig. Feuchtigkeit (= Kondenswasser) kann also aus dem Bivi von innen entweichen, ohne das wiederum Nässe von außen eindringen kann. Ein typisches durchlässiges Membran wäre Gore-Tex, Laminate wiederum Sympatex oder Hyvent. Nachteil: Solche Membrane oder Laminate sind schwerer und teurer.

Dennoch: Wirklich atmungsaktiv sind nur Biwaksäcke aus einem durchlässigen Material wie Gore-Tex oder Sympatex. Modelle aus Polyurethan wiederum musst du gut lüften und trocknen, was je nach Wetter sowie auf mehrtägigen Touren nicht immer einfach ist. Für den Winter sind diese Modelle daher keine Option.

Fakt ist allerdings auch, dass selbst Bivis aus Membran oder Laminat Kondenswasser nicht komplett verhindern können. Das liegt ganz einfach an der Physik. Denn ein dampf- und somit wasserdurchlässiges Gewebe braucht sowohl ein Temperatur- wie auch ein Druckgefälle. Und zwar jeweils von innen nach außen. Heißt: Im Biwaksack muss es wärmer und feuchter sein als „draußen“. Bei Regen oder schwüler Luft – Stichwort Tropen oder ein heißer Sommer mit viel Regen – funktioniert das weniger gut, womit im Bivi eben doch Wasser kondensieren kann.

So kannst du Kondenswasser im Bivi reduzieren

Immerhin können dir zwei Dinge helfen:

  1. Belüftungsöffnungen im Kopfbereich, die Feuchtigkeit ableiten und
  2. eine Art Frotteebezug auf der Innenseite zum Aufsaugen von Flüssigkeit.

Wichtig: Lüfte morgens deinen Biwaksack gut aus. Bei Billigmodellen mit einem nicht atmungsaktiven Boden solltest du deine Isomatte übrigens in den Bivi legen. Sonst könnte sich der Biwaksack über Nacht „drehen“. Dann liegt der luftdichte Boden quasi oben, wodurch noch mehr Feuchtigkeit kondensiert. Davon ab sollte sich der Boden auf die reine Liegefläche begrenzen.

Außerdem solltest du versuchen, nicht in den Bivi zu atmen. So beugst du der Kondensation deiner eigenen Atemluft vor. Bist du zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs, lohnen zudem Biwaksäcke für zwei Personen. So kannst du dich mit deinem Begleiter gegenseitig wärmen. Im Sommer zugegeben nicht immer nötig, in kälteren Monaten sowie vor allem in hochalpinen Regionen jedoch eine gute Idee.

Sonderformen: Windsack und Biwakzelt

Vier Sonderformen des Biwaksacks solltest du ebenfalls kennen. Und zwar diese hier…

  • Windsack
    Der Windsack ist um einiges großzügiger gehalten als ein normales Bivi, weswegen du sogar aufrecht sitzen kannst. Außerdem sind Windsäcke oft für mehrere Personen gedacht. So ist die Körperwärme besser nutzbar.
  • Biwakzelt
    Das Biwakzelt ist wiederum eine Art Luxusversion des Bivis mit gewissen Extras. Zum Beispiel mit mehr Platz, kleinen Gestängebögen und Rundumschutz. Optisch schaut das Konstrukt wie ein geschrumpftes Tunnelzelt aus, allerdings gilt das Biwakzelt noch nicht als echtes Zelt. Mehr als Liegen erlaubt dir dieser Zelttyp nämlich nicht.
  • Hängemattenzelt
    Das Hängemattenzelt oder auch Baumzelt ist hingegen ein echtes Zelt, dass du zudem in gleich drei Optionen nutzen kannst. Als Baumzelt oder als Hängematte zwischen zwei Bäumen gespannt sowie als Biwaksack.
  • Flying Tent
    Noch einen Schritt weiter geht das Flying Tent, dass obendrein als Poncho und somit als Regenschutz auf Tour herhält. Entsprechend ist das Flying Tent Hängematte, Baumzelt, Biwaksack und Poncho in einem.

Vergleich Biwaksack vs. Biwakzelt vs. Zelt

Apropos: Wie schaut der Biwaksack im direkten Vergleich mit Biwaksack und einem echten Trekkingzelt aus? Hier kann das Bivi durchaus glänzen, zum Beispiel mit Gewicht und Packmaß. Manko sind wieder der mangelnde Rundum-, Sicht- und Mückenschutz. Davon ab kann der Biwaksack in punkto Platz und Komfort nicht mit einem echten Wanderzelt mithalten. Ein solches bietet mit (mindestens) einer Apsis einen kleinen Vorraum zum trockenen Lagern des Gepäcks sowie bei schlechtem Wetter auch mal die Möglichkeit zum Kochen.

Im Komfort kann ein simples Bivi also bei weitem nicht mit einem echten Zelt konkurrieren. Dafür ist ein Zelt mit rund 1,5 kg deutlich schwerer. Ein wirklich guter Biwaksack schlägt mit unter 200 g sogar jedes Ultraleichtzelt. Allerdings musst du dann schon 200, eventuell sogar 300 Euro investieren. Für das Geld bekommst du auch schon gute Zelte und bist bei schlechtem Wetter besser geschützt. Inklusive deinem Gepäck, deinen Vorräten und deiner Kleidung, Stichwort Wanderschuhe.

Für wen eignen sich Biwaksäcke?

Was für dich wichtiger ist, musst letzten Endes du entscheiden. Komfort oder doch eher ultraleicht? Klarer Sternenhimmel oder Mückenschutz? Enge oder Platz? Pro und Kontra für das Bivi gibt es viele. Ebenso wie für ein echtes Zelt.

Für wen der Biwaksack taugt, ist daher vielleicht nicht die richtige Frage. Sondern eher das Wo. Eine Option ist das Bivi zum Beispiel…

  • bei Aktivitäten, wo ein Zelt stört (Bergsteigen, Bergtouren etc.),
  • in hochalpinen Regionen,
  • bei Segeltörns (Schlafen am Deck),
  • am Strand,
  • beim Wildcampen,
  • beim Boofen (Sächsische Schweiz)
  • auf Kanutour,
  • als Notschlafmöglichkeit bzw. „Notfallset“.

Davon ab ist der Biwaksack die Option für Minimalisten und Ultraleichttrekker. Ob das Bivi für dich eine Idee ist, musst du selbst herausfinden.

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