Lavvu & Tipi: Herkunft, Vorteile und Nachteile

Das Lavvu und das Tipi sind Versionen des Pyramidenzelts (Mids). Aber: Während das klassische Mid die Form eines Vier- oder Rechtecks zeigt, ist das Lavvu und Tipi eher rund. Entsprechend bieten sich dir mehr Punkte zum Abspannen. Das hat Vorteile, zum Beispiel eine bessere Stabilität des Zelts bei Wind. Ebenso wie Nachteile, macht das viele Abspannen doch den Aufbau (etwas) komplizierter und mühsamer.

Dennoch ist das Lavvu oder Tipi beim Thema Windstabilität quasi das bessere Pyramidenzelt. Wobei der wahre Clou dieser zwei Zelttypen in einem anderen Punkt liegt: Im Lavvu und Tipi kannst du Feuer machen. Doch auch hier gibt es wieder ein Aber: Feuer solltest du nur in den großen Modellen für einige Personen machen. In einem Ein- oder Zwei-Mann-Zelt ohne Stehhöhe wäre Feuer viel zu gefährlich. Zumal ein Rauchabzug ein Muss ist, Stichwort CO2.

Trotzdem ist das Lavvu oder Tipi eine interessante Option für Wanderer und Trekker. Speziell im Bereich Ultraleichttrekking. Moderne Lavvus und Tipis bestechen nämlich in der Regel mit wenig Gewicht sowie kleinen Packmaßen. Vor- und Nachteile bieten Lavvu und Tipi also gleich einige. Zuvor ist es aber sicher besser, diese mehr als interessanten Zelttypen etwas genauer zu erklären.

Lavvu: Die Samen haben’s erfunden

Das Lavvu haben die Samen erfunden. Die Samen – auch als Lappen bekannt – sind ein Volk, das in den nördlichen Teilen von Schweden, Norwegen und Finnland sowie in Karelien und auf der Halbinsel Kola (Russland) lebt. Ihr Siedlungsgebiet nennen die Samen übrigens nicht Lappland (daher Lappen), sondern Sápmi oder Same Ätnam. Randnotiz: Manche Samen fassen die Bezeichnung Lappe als Beleidigung auf.

Fakt ist: Viele Samen lebten in den grauen Vorzeiten als Nomaden. Die typische Behausung dieser Nomaden stellte das Lavvu. Dessen Konstruktion war (und ist) denkbar einfach. Drei am oberen Ende zusammengebundene Stangen aus Fichte oder Kiefer stellten das Grundgerüst. An dieses montierten die cleveren Nordmänner 15 bis 20 weitere Holzstangen. Das Ganze bedeckten die Samen wiederum mit Leder und Fellen. So entstand ein bis zu 17 (!) m² großer und quasi runder Raum. Wohlige Wärme versprach ein Feuer in der Mitte des Zelts. Manche Samen nutzen das Konstrukt sogar bis heute, zum Beispiel auf der Jagd.

Durch Kontakt mit Germanen kamen übrigens schon im Mittelalter Textilien als Zeltplane zum Einsatz. Zuerst (und vor allem) gewalktes Vadmal, ab dem 19. Jahrhundert auch Baumwolle. Im 20. Jahrhundert kam schließlich Kunststoff auf. Die heutigen Wander- und Trekkingzelte im Lavvu-Style nutzen natürlich ebenfalls moderne Materialien. Konkret Aluminium sowie synthetische Fasern. Daher besticht das Lavvu mit wenig Gewicht und kleinem Packmaß. Kein Wunder also, dass immer mehr UL-Trekker auf das Zelt schwören.

Zumal das Lavvu später der Kohte (oder Kote) Pate stand. Diese wurde als „Schwarzzelt“ der deutschen Jugendbewegung legendär. „Entwickelt“ um 1930 von Eberhard Koebel, besser bekannt unter seinem Fahrtennamen (Pfadfindernamen) „tusk“, übernahmen später auch die deutschen Pfadfinder die Kote. Und damit quasi das Lavvu.

Tipi: Das „Präriehaus“ der Indianer

Das Tipi kommt wiederum aus Nordamerika und war einst das typische „Haus“ der nordamerikanischen Indianer. Nämlich von den Stämmen, die ebenfalls als Nomaden durch die Prärie zogen. Diese Stämme – zum Beispiel Sioux, Cheyenne, Kiowa oder Blackfeet – folgten ihrer Hauptnahrungsquelle, dem Bison. Angeordnet waren die Tipis meist im Kreis. Der Eingang der Zelte wies nach Osten zur aufgehenden Sonne sowie zur wetterabgewandten Seite.

Die Konstruktion des Tipis ist jedenfalls der des Lavvu sehr ähnlich. da das Tipi asymmetrisch und somit leicht schräg aufgebaut wird, ist der Grundriss allerdings eher eiförmig. Vorteil: Die steilere Vorderseite versteifte das Konstrukt gegen Westwinde. Außerdem verbessert diese Bauweise die Belüftung und die Kopffreiheit an der Rückseite. Gegenüber dem Lavvu ist das Tipis zudem „schlanker“, da die Indianer längere Stangen nutzten. Von diesen schaute allerdings ein gutes Stück aus dem First (Spitze) heraus. Als Grundgerüst dienten ebenfalls drei „Hauptstangen“, an welche weitere Stangen lehnten. Die Zeltplane bestand aus zusammengenähten Bisonhäuten oder (im Westen) Schilfmatten, ab 1800 auch aus Leinwand. Im Winter war ein Innenzelt typisch, der Zwischenraum wurde mit trockenen Gräsern gedämmt. Bei 3 bis 7 m Durchmesser hatte so eine mehrköpfige Familie mehr als genug Platz.

Der Begriff tipi kommt übrigens aus der Sprache der Lakota, die zu den Sioux gehören. Wobei „tipi“ eigentlich aus zwei Wörtern besteht. „thi“ (leben, hausen, wohnen) und „pi“, womit Verben ins Plural versetzt werden. „thipi“ heißt daher so viel wie „zum wohnen“. Heute lässt sich thipi eher mit Haus übersetzen. Das traditionelle Zelt heißt hingegen „thiíkčeya“. In Englischen sind wiederum die Schreibweisen „teepee“ oder „tepee“ üblich. Das Wigwam oder Wickiup ist übrigens kein Tipi, sondern eine Art Grasmattenhütte mit einem runden Dach auf einem Holzgerüst.

Pro: Die Vorteile von Lavvu und Tipi

Die Vorteile von Lavvu bzw. Tipi sind im Grunde die gleichen wie beim Pyramidenzelt. Und zwar…

  1. Konstruktion
    Die Konstruktion ist relativ simpel, aber ebenso effektiv.
  2. Aufbau
    Entsprechend ist der Aufbau recht fix erledigt. Für größere Modelle sind jedoch mehr als zwei Hände nötig.
  3. Gewicht
    Moderne Zelte aus Kunstfasern und Alu versprechen zudem wenig Gewicht. Das gilt vor allem für einlagige Versionen, die ähnlich einem Tarp oder Tarptent nur aus einer Zeltplane bestehen.
  4. Packmaß
    Auch das Packmaß ist in der Regel sehr handlich.
  5. Wind
    Davon ab sind Lavvu und Tipi extrem windstabil. Das Lavvu wegen seiner eher niedrigen Bauweise, das Tipi wiederum wegen seinem leicht schrägen Aufbau. Die gute Abspannung tut ihr übriges.
  6. Schnee
    Selbst Schnee ist für diese Zelte kein Problem. Weil Schnee sich an den steilen Zeltwänden nur schwer ablagern kann.
  7. Feuer
    Der größte Vorteil von Tipi und Lavvu zeigt sich überhaupt im Winter. Denn beide Zelte erlauben offenes Feuer, was wohlige Wärme verspricht. Entsprechend sind Lavvu und Tipi das ganze Jahr bewohnbar.
  8. Belüftung
    Zweilagige Zelte versprechen außerdem im Sommer dank der guten Belüftung ein angenehmes Klima. Weil zwischen Außen- und Innenzelt die Luft wunderbar zirkulieren kann.
  9. Grundfläche
    Zuletzt bieten beide Zelte eine große Grundfläche und dank der steilen Wände auch reichlich Platz.

Contra: Die Nachteile von Lavvu und Tipi

Ganz ohne Mängel sind die zwei Zelttypen aber nicht.

  1. Auswahl
    Im Vergleich zu anderen Zelten wie Tunnelzelt, Igluzelt, Geodät, Wurfzelt oder Biwakzelt ist die Auswahl an Tipis und Lavvus recht klein. Das gilt besonders für kleine 1- oder 2-Personen-Zelte. Bei größeren Modellen für mehrere Personen findest du hingegen mehr Angebot. Weil diese Zelte eher für Gruppen gedacht sind.
  2. Gewicht
    Logisch, dass mit den Ausmaßen das Gewicht steigt. Noch mehr, wenn die Zelte aus Baumwolle bestehen. Solche Zelte bieten zwar ein gutes Klima, eignen sich aber nur für lange Standzeiten.
  3. Boden
    Wegen der Möglichkeit eines Feuers und zugunsten des Gewichts fehlt Tipis und Lavvus zudem oft ein Boden (Footprint). Oder der Boden ist für eine Feuerstelle entsprechend ausgeschnitten. Immerhin ist ein solcher Footprint (ebenso wie ein Innenzelt) oft als Extra erhältlich. Wenn dir dieser Punkt wichtig ist, achte drauf.
  4. Insekten
    Zumal ohne Boden und Innenzelt Insekten und vor allem Zecken leichten Zugang haben. Bodenplane und Innenzelt sind also je nach Gegend eine lohnende Idee.
  5. Brandgefahr
    Wo Feuer ist, besteht immer Brandgefahr. In kleinen Zelten solltest du offenes Feuer sowieso unterlassen. Schon ein kleiner Funken brennt ruckzuck ein Loch ins Zelt. Kein Feuer ist also besser. Muss doch ein Feuer sein, denk’ zumindest an einen Funkenschutz.
  6. Abspannung
    Lavvus und Tipis sind zudem nicht freistehend. Du musst also abspannen. Immer.
  7. Heringe
    Entsprechend brauchst du Heringe, je nach Boden sogar spezielle Heringe. Stichwort: Sand, Fels, Schnee. Mehr Gewicht bedeuten Heringe und Abspannseile natürlich ebenfalls.
  8. Platzbedarf
    Außerdem brauchst du einen gewissen Platz, um diese Zelte aufbauen zu können. Eben wegen der Abspannung.
  9. Preis
    Zuletzt sind Tipis und Lavvus nicht gerade billig. Selbst kleine Zelte für zwei, drei Personen bekommst du kaum unter 350 Euro. Bei guter Zeltpflege hast du jedoch auf viele Jahre ein Zuhause.

Einsatz und Beispiele von Lavvus und Tipis

Im Fazit eignen sich Lavvus und Tipis für Einzelpersonen und Gruppen, im Sommer ebenso wie im Winter. Wegen ihrer guten Windstabilität und „Schneetauglichkeit“ sind die Zelte zudem für Gegenden mit viel (und starkem) Wind und natürlich Schnee eine gute Option. Kleinere Zelte wie das Nigor WickiUp Fly + DAC Pole* sind mit unter 2,0 kg sogar bestens für UL-Trekker geeignet und bieten dabei bis zu drei Personen Platz.

Ein paar Beispiele schaden zum Abschluss sicher nicht. Da Tipi und Lavvu recht ähnlich sind, trennt wanderzelt.de die Zelte nur nach Platz bzw. Personen. Die mit * markierten Modelle findest du direkt auf Amazon, die anderen müsstest du im Handel selbst suchen.

Du siehst: Tipis und Lavvus bekommst du mit Platz für dich allein oder für deine komplette (Groß)Familie.

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